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Durchgesickerter Boxenfunk von Lance Stroll fasst seine katastrophale Saison perfekt zusammen

By Marcus Reid
Lance Stroll
Durchgesickerter Boxenfunk von Lance Stroll fasst seine katastrophale Saison perfekt zusammen

Wer in dieser Formel-1-Saison auf die hinteren Plätze der Ergebnislisten schaut, stößt auffallend oft auf den Namen Lance Stroll – vor allem unter den Fahrern, die das Ziel nicht erreicht haben. Umso bitterer ist es, dass ein kurzer Ausschnitt aus dem Boxenfunk von Sepang, der in der Übertragung nie zu hören war, mehr über die Gemütslage des Kanadiers verrät als sämtliche Ergebnisse dieses Jahres zusammen.

Die Formel 1 kehrte am vergangenen Wochenende erstmals seit 2017 nach Malaysia zurück. Allerdings trat das Feld dort unter dem Namen Grand Prix von Bahrain an, weil der Krieg im Iran ein Rennen in Sakhir unmöglich machte. Für Aston Martin war die Strecke bei Kuala Lumpur kaum mehr als ein neuer Schauplatz für das altbekannte Leid. Denn das Team fährt schon das ganze Jahr mit einem Honda-Motor, der laut Stroll selbst deutlich zu wenig leistet.

Das hatte er bereits vor dem Wochenende vor versammelter Presse klargemacht. „Uns fehlen zwei Sekunden beim Motor, deshalb ist es schwierig. Auf Strecken wie Bakoe und Monza kann man wenig ausrichten, wenn einem beim Motor zwei Sekunden fehlen“, sagte Stroll.

Eine Anweisung, die Stroll ignorierte

Im Rennen hing Stroll lange hinter dem Haas von Esteban Ocon fest. Sein Renningenieur riet ihm deshalb, in Kurve 12 etwas vom Gas zu gehen, damit die Batterie nicht unnötig entladen würde. Unter dem aktuellen Reglement ist das Energiemanagement schließlich fast genauso wichtig wie die reine Geschwindigkeit. Eine solche Aufforderung gehört deshalb zu den gängigsten Anweisungen dieser Saison. Stroll wollte davon allerdings nichts wissen.

„Nein, ich fahre Vollgas. F* diese Sch*“, sagte der Aston Martin-Pilot.

Er blieb unbeirrt auf dem Gas und überquerte die Ziellinie schließlich als Zwölfter, zwei Plätze außerhalb der Punkteränge. Zugleich war das sein bestes Saisonergebnis – was ziemlich genau zeigt, wie tief das Tal ist, in dem er und Aston Martin stecken. Unter den Fans wurde der Ausbruch daher schnell als Reaktion auf die gesamte Saison verstanden und nicht nur auf diesen einen Moment hinter Ocon. Gleichzeitig zeigte der Funkspruch etwas, das bei allem Spott über Stroll oft vergessen wird: Er findet sich keineswegs mit einem Dasein als Hinterbänkler ab, der jedes Wochenende vor allem versucht, sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten.

Ausfälle

Die Zahlen hinter diesem Frust sprechen eine deutliche Sprache. Stroll gehört neben Valtteri Bottas und dessen Cadillac-Teamkollegen Sergio Pérez zu den einzigen Fahrern, die 2026 noch keinen einzigen Punkt geholt haben. Selbst Yuki Tsunoda liegt mit nur drei absolvierten Rennen in der Gesamtwertung vor ihm. Der Ausfall in Bakoe eine Woche vor Sepang war bereits sein elfter in dieser Saison. Damit hat er das Ziel häufiger verpasst als erreicht.

Nur einmal gelang es ihm in diesem Jahr, zwei Rennen hintereinander zu beenden: In Miami wurde er als Siebzehnter und in Montreal als Fünfzehnter gewertet. Auf sein zuvor bestes Ergebnis auf dem Hungaroring folgte zudem eine Serie von vier Ausfällen in Folge, die erst in Malaysia endete. Auch der verbesserte Honda-Motor, der in Zandvoort eingeführt wurde, brachte kaum Linderung. Aston Martin holte danach bis Sepang lediglich zwei Punkte, während an vier Rennwochenenden fünfmal ein Auto ausfiel.

Die Kritik am Kanadier war das ganze Jahr über laut und nahm weiter zu, als feststand, dass er auch 2027 neben Fernando Alonso im Cockpit sitzen wird. Dass sein Vater Lawrence das Team besitzt, macht ihn zudem zu einer dankbaren Zielscheibe für alle, die seinen Platz in der Formel 1 infrage stellen wollen. Auch die Jahre zuvor waren keine Glanzzeiten: 2025 kam er nicht über 33 Punkte hinaus, und nur 2023 beendete er die Meisterschaft unter den besten zehn.

Am kommenden Wochenende bietet sich in Singapur bereits die nächste Chance. Dort kann Stroll nicht nur versuchen, sein bestes Saisonergebnis zu verbessern, sondern auch zum erst zweiten Mal in dieser Saison zwei Grands Prix in Folge zu beenden. Ob sich der Unmut, der in Sepang über den Boxenfunk zu hören war, dort in Punkte ummünzen lässt, hängt allerdings mindestens genauso sehr davon ab, was Honda hinter seinem Rücken aus dem Motor herausholen kann, wie von seinem eigenen rechten Fuß.

Marcus Reid

Technical editor